„Eine Flucht kam für mich nicht in Frage“

Erinnerungen eines Grenzsoldaten (1969 bis 1971)tafel_3Agraringenieur zu werden – das war mein großes Ziel! Um dieses Ziel zu erreichen, blieb mir, wie so vielen anderen jungen Männern meiner Generation, nichts anderes übrig, als der Volksarmee zu dienen. Aus meiner Heimat Gotha heraus wurde ich 1969 ins Eichsfeld nach Mengelrode in die Ausbildungskaserne geschickt. Hier wurde ich nun für ein halbes Jahr als Unteroffizier ausgebildet. Im Mai 1970 versetzte man mich in die Grenzkompanie nach Freienhagen, in der ich anderthalb Jahre meinen Dienst als Gruppenführer leistete.

Die Grenzanlagen bestanden in dieser Zeit aus zwei einfachen ca. 2m hohen Stacheldrahtzäunen, die durch ein Minenfeld voneinander getrennt waren. Auf dem Gebiet der DDR befand sich der 6m breite Kontrollstreifen. In etwa 100m Entfernung hinderte ein Signalzaun, der bei Berührung einen Alarm auslöste, Unbefugte am Betreten der Grenzanlage. Die Arbeit im Grenzdienst wurde im Schichtdienst abgeleistet. Zu den Aufgaben am Grenzstreifen gehörten die Beobachtung der Grenzanlage vom Wachturm aus und das Ablaufen des Kontrollstreifens. Dieser führte zuletzt von Siemerode bis Rohrberg. Das bedeutete, dass diese Strecke von ca. 1 5 km täglich morgens und abends auf Fußspuren überprüft werden musste.

Um die Spuren schnell erkennen zu können, musste der Kontrollstreifen permanent sauber und frei von Unkraut gehalten, sowie anhaltend fein geeggt werden. Bei der Entdeckung von  Fußspuren oder anderen Auffälligkeiten im Kontrollstreifen wurde eine sofortige Meldung abgesetzt und eine Alarmgruppe von sechs bis acht Personen angefordert, die die komplette Anlage auf weitere Anzeichen für eine mögliche Flucht absuchte. Außerdem wurde die Postenführung verstärkt. Glücklicherweise musste ich einen gelungenen Grenzdurchbruch nie miterleben und wurde dadurch nicht zum Gebrauch der Waffe gezwungen. Für mein letztes Dienstjahr wurde ich schließlich noch einmal nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt versetzt. Diese Versetzung wurde mir nie begründet.


…nachgefragt:

Was war Ihr größter Wunsch während der Zeit des geteilten Deutschlands?
Eine Flucht kam für mich nicht in Frage. Wichtig war für mich
vor allem unter den gegebenen Umständen ein zufriedenes
Leben zu führen und eine Familie zu gründen.

Haben Sie positive Erinnerungen an die DDR-Zeit?
JA! Ich habe meine Frau kennen und lieben gelernt.

Als die Mauer fiel, dachte ich …
Endlich sind wir frei!

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