„Sprachlos und die Hände zu Fäusten geballt.“tafel_4„… im Jahre 1972 war ich das letzte Mal vor der Wende dort oben. Der Zustand der Kapelle war trostlos, nur das Holztor mit der Vorderfassade stand noch. Oberhalb des Tores war noch der Spruch zu lesen: „Und Gott hat alles wohl gemacht.“ Zum Beten war mir aber an diesem Tag nicht zumute. Die Kapelle und der Kreuzweg blieben bis zur Wende im Jahre 1989 eingesperrt und unerreichbar. Kurz nach der Wende im Dezember 1989 beschlossen wir an unserem Kreuzweg und der Kapelle nach dem Rechten zu sehen. Die Grenzzäune mit dem Stacheldraht, der Minengürtel und die Signalzaunanlage standen und funktionierten noch. Wie sollten wir da hin kommen? Sicherheitshalber meldeten wir uns bei der Grenzkompanie an. Dennoch war uns nicht klar, was uns erwarten würde. Mit viel Mut aber auch Angst setzten wir den Zaun außer Funktion. Etwa 100m weiter hielten uns bewaffnete Offiziere auf und verlangten unsere Ausweise. Nur gut, dass wir angemeldet waren! Keine 20 Minuten später standen wir vor den Trümmern der Kapelle, sprachlos und die Hände zu Fäusten geballt. Von den vierzehn Stationen des Kreuzweges waren nur zwei in einigermaßen erkennbarem Zustand übrig geblieben, der Rest war zerstört. Im Sonntagsgottesdienst erfuhr die Gemeinde von Pfarrer Fuhlrott die Situation. Alle waren damit einverstanden, alles zu tun, um die Kapelle und den Kreuzweg wieder instandzusetzen. Bis zum Frühjahr 1991 wurde alles wieder aufgebaut und zum 22.07.1991 hat Weihbischof Koch die Kapelle zum Magdalenentag eingeweiht…“

Arno Waldmann, Kirchgandern


…nachgefragt:

Was war Ihr größter Wunsch während der Zeit des geteilten Deutschlands?
Mein sehnlichster Wunsch war die Grenzöffnung und nichts Anderes.

Haben Sie positive Erinnerungen an die DDR- Zeit?
Leider nicht sehr viele…

Als die Mauer fiel, dachte ich …
Gott sei Dank!

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