„Endlich ist es soweit!“tafel_7Das Rittergut Besenhausen liegt, wie das Dorf Kirchgandern, an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Bis 1945 noch eine Einheit bildend, lag Kirchgandern während der Zeit der Teilung auf der Ostseite und Besenhausen auf der Westseite. Seit über 700 Jahren sind das Gut und die umliegenden Felder im Besitz der Familie Hanstein und ihrer Nachkommen. 1945, als Deutschland von den Besatzungsmächten in zwei Hälften geteilt wurde, traf die Familie ein schweres Schicksal: die Grenze lief genau zwischen Gut und Landbesitz hindurch.

Das Gut gehörte zunächst zu Ost-, die Ländereien zu Westdeutschland. Die Familie flüchtete in einen anderen Ort und im Gutshaus lebten nun die russischen Besatzer. Dem damaligen Gutsbesitzer, Baron v. Wintzingerode, gelang es in Verhandlungen, den russisch besetzten Teil durch eine Grenzverschiebung auf den westlichen Teil zu bekommen. Somit konnte die radikale Teilung des Hofes rückgängig gemacht und die Zerstörung des Gebäudes im Todesstreifen verhindert werden. Als Gegenleistung durften die russischen Besatzer den Viehbestand, die Vorräte in Haus und Hof und anderes drei Tage lang plündern. Dann übernahm die englische Besatzung und die Familie konnte zurückkehren und den Wiederaufbau beginnen.

Das Gut musste mühsam wieder eingerichtet werden, da es komplett leergeräumt war. In den Jahren von 1945 bis 1952 wurde Besenhausen zu einem der „Tore zur Freiheit“. Über 2 Millionen Flüchtlinge aus Ost- und Mitteldeutschland überquerten hier die Grenze, zunächst auf ihrem Weg in das nahe liegende Grenzdurchgangslager Friedland.

Auch nach dem Zaunbau und Schließen der Grenze, gelang Einzelnen die Flucht aus der DDR, wie Frau v. Klitzing, die auf dem elterlichen Gut aufwuchs, berichtet: „Die Leute kletterten vor allem nachts über den Stacheldrahtzaun und kamen dann mit blutigen Händen auf unserem Hof an. Oder sie schwammen durch die Leine und wir versorgten sie dann erst einmal mit trockener Kleidung. Die Flüchtlinge wurden erst weniger, als der Stacheldrahtzaun durch einen Stromzaun ersetzt wurde.“

44 Jahre waren Kirchgandern und Besenhausen getrennt. Man blickte nur auf Zäune, Minenstreifen und Militärfahrzeuge. So war die Grenzöffnung zunächst etwas unheimlich. Aber die Freude, alte Schul- und Spielgefährten wiederzusehen, überwog.


…nachgefragt:

Was war Ihr größter Wunsch während der Zeit des geteilten Deutschlands?
Ich wusste, dass dieser unnatürliche Zustand nicht ewig bleiben konnte. Irgendwann
musste der Zaun verschwinden, die Mauer fallen. Das war mein größter Wunsch.

Haben Sie positive Erinnerungen an die DDR-Zeit?
Das Gut lag wie im Dornröschenschlaf. Die Straße war hier zu Ende und wir fühlten
uns durch die Grenzschutzbeamten gut behütet. Aber es war eine leblose Ruhe.
Kirchgandern und die Burg Hanstein waren unerreichbar. Nein, es gibt keine positive
Erinnerung an die DDR-Zeit.

Als die Mauer fiel dachte ich…….
Endlich ist es soweit!

Detlev Flechtner, Besenhausen

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